Zweiphasiger, offener Kunst am Bau Wettbewerb für Künstler*innen: Plattform und Sockelbereich

EDGE EAST SIDE BERLIN

Anlass/Ziel

“Die Straßen in den Großstädten haben noch viele andere Funktionen außer der einen, Platz für Fahrzeuge zu bieten, und die Bürgersteige … haben noch viele andere Funktionen, au er Platz für die Fu g nger zu bieten… Ein Bürgersteig in einer Großstadt ist, für sich genommen, ein leerer Begriff. Erst im Zusammenhangmit den angrenzenden Geb uden und mit deren Nutzung oder erst in Verbindung mit der Benutzung anderer Bürgersteigeßin der Nähe gewinnt er Bedeutung. (…)

Die Straßen und ihre Bürgersteige sind die wichtigsten öffentlichen Orte einer Stadt, sind ihre lebenskräftigsten Organe. Wenn die Straßen einer Großstadt uninteressant sind, ist die ganze Stadt uninteressant; wenn sie langweilig sind, ist die ganze Stadt langweilig.“

Jane Jacobs


Unsere Städte erfahren stetige Ver nderung und Umbau. In keiner Stadt ist dies sichtbarer als in Berlin. Mal leise, mal lauter reihen sich die unterschiedlichsten Kieze – die grünen, die ruhigen, die sub- und multikulturellen, die mit den alten Hasen und die mit den Neuzugezogenen – aneinander. Und so begegnet man bei einem Spaziergang durch die Stadt dem vergangenen, dem gegenwärtigen und dem zukünftigen Berlin an vielen Orten zugleich.

Die Idee der Stadt von morgen wird sich am deutlichsten in den infrastrukturellen Knotenpunkten der Großstädte ablesen lassen. Die Warschauer Straße, an dem sich der Ort für den Wettbewerb befindet, stellt einen dieser neuen Transiträume dar. Dieser Raum vernetzt die quirligen angrenzenden Kieze des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg mit ihren vielseitigen Cafés, Läden, Kreativräumen und Büros mit dem Ballungsraum Berlin. Die Clubszene, die Touristen, die Arbeitenden, die Besucher, die Durchreisenden sowie die Anwohner überlagern sich an diesem dynamischen Kreuzungspunkt.

Der Büroturm EDGE East Side wird in naher Zukunft mit circa 140m den architektonischen Hochpunkt im Stadtbild bilden und eine neue öffentliche Fläche bereitstellen. Der Entwurf des Architekturbüros Bjarke Ingels Group (BIG) verbindet die hohen Anforderungen nachhaltiger Gebäude mit der Architektursprache des Lokalen. Die Gliederung der modernen Fassade – der „Berliner Block“ in die Höhe versetzt – ist sinnbildlich ein bauliches Zitat zur Stadtgeschichte Berlins.

Die zweigeschossige Plattform des Gebäudes wird zukünftig den zentralen „Eingang“ in das neue Stadtquartier bilden. Die Bearbeitung dieses Ortes wird als zweiphasiger, offener Kunst am Bau Wettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren europaweit ausgelobt. Ziel und Anlass der Auslobung ist es, durch die künstlerische Gestaltung den Raum zu aktivieren.

Gesucht werden künstlerische Arbeiten, die den Ort in seinem öffentlichen Charakter stützen, ihm eine eindeutige räumliche Präsenz zuschreiben und die Aufenthaltsqualität signifikant verbessern. Der Ort soll ein authentischer, städtebaulicher Baustein des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg werden, der zugleich mit den Spannungen umgehen und ein Bewusstsein für Gegensätze aufzeigen kann, ohne sie auszuschließen.

Es ist ausdrücklich gewünscht, dass der transformative, hochdynamische Charakter und die vielfältige Kiezkultur die Grundlagen des Konzeptes der künstlerischen Arbeit sind. Die Aufgabenstellung erfordert daher eine intensive künstlerische und konzeptionelle Auseinandersetzung mit den Anforderungen des Ortes. Gewünscht ist ferner, dass das Kunstwerk einen zukunftsweisenden Ausdruck aufweist.

Für die Wettbewerbsaufgabe stehen die ausgewiesenen Flächen der Plattform, die Treppenanlage einschließlich der Treppenwangen sowie die umlaufenden Fassadenbänder zur Verfügung. Neben den ausgelobten außenliegenden Flächen kann optional die innenliegende Wandfläche des öffentlich genutzten Eingangsbereichs in das Konzept einbezogen werden.

In die Arbeiten können alle ausgelobten Flächen, innerhalb der vorausgesetzten notwendigen Restriktionen in Art und Maß der Nutzung, frei einbezogen und bearbeitet werden.

Die Plattform des Gebäudesockels und die Treppenanlage bestehen bereits als Bauwerk und fungieren als infrastrukturelles Gelenk zwischen der Warschauer Brücke, der East Side Mall, der Tamara-Danz-Straße und dem zukünftigen Eingang des EDGE East Side. In naher Zukunft werden an diesem Ort bis zu 10.000 Besucher täglich erwartet. Innerhalb des Bauprozesses werden die Flächen unterhalb der Plattform nutzbar gemacht und die Fassade auf der Erdgeschossebene umlaufend ergänzt. Diese Fassadenbänder im Erdgeschoss (auf der Nord-, Ost- und Südseite umlaufend) bestehen aus GFB Glasfaserbeton -und Glaselementen und können ebenfalls in vollem Umfang als Wettbewerbsfläche bearbeitet werden.

Die Wahl der Standorte, der Flächen sowie eines oder mehrerer zueinander in Bezug stehender Objekte, Installationen und/oder Gestaltungen ist den Teilnehmenden freigestellt.

Das Kunstwerk soll einen dauerhaften Charakter erhalten und einen geringen Pflege- und Wartungsaufwand erfordern.

Die im Rahmen des Wettbewerbs vorgelegten Konzepte müssen die festgelegten allgemeinen Richtlinien weiterhin gewährleisten.

Das Kunstwerk soll bis 2023 realisiert sein. Für die gesamtkünstlerische Leistung und Umsetzung stehen insgesamt max. 350.000 Euro (netto) zur Verfügung (Planung und Ausführung einschließlich aller Nachweise, Gutachten und Nebenkosten). Für Preise werden 20.000 Euro (netto) veranschlagt.

 

Verfahren

Das Verfahren ist als zweiphasiger, offener Kunst am Bau Wettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren, europaweit ausgelobt.

Bewerbungsverfahren
Das Bewerbungsverfahren ist offen, die Eignung der Teilnehmer wird im Vorfeld des Wettbewerbsverfahrens geprüft.

Wettbewerbsphase 1
Die 1. Phase dient der Erarbeitung von konzeptionellen Ansätzen und Ideen und fordert die künstlerische Auseinandersetzung mit der Aufgabenstellung. In dieser Phase sind bildhafte Darstellungen der konzeptionellen Ansätze und Gestaltungsideen für die Präsentation im Preisgericht gewünscht. Es sollen max. 20, aber min. 15 Teilnehmer ausgewählt werden.

Wettbewerbsphase 2
Die 2. Phase dient der Weiterentwicklung und Konkretisierung der künstlerischen Idee aus der 1. Phase, vor allem in Hinblick auf gestalterische Umsetzung, technische Machbarkeit, Materialität und Einhaltung des Kostenrahmens.

Preisgericht

Fachpreisrichter/innen
  • Leonie Baumann, Rektorin, Weißensee Kunsthochschule Berlin
  • Josefine Günschel, Freischaffende Künstlerin, Berlin
  • Seraphina Lenz, Freischaffende Künstlerin, Berlin
  • Prof. Hannes Brunner, Freischaffender Künstler, Berlin
  • Georg Zey, Freischaffender Künstler, Berlin
  • Tim Edler, Freischaffender Künstler, Berlin
  • Till Rehwaldt, Landschaftsarchitekt, Dresden
Stellvertretende Fachpreisrichter/in
  • Susanne Bosch, Freischaffende Künstlerin, Berlin
  • NN. Freischaffende Künstlerin
Sachpreisrichter/innen
  • Stéphane Bauer, Leiter FB Kultur und Geschichte, Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg
  • Bernhard Heitele, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, Berlin
  • David Zahle, Partner, Architekt Bjarke Ingels Group, Kopenhagen
  • Martin Rodeck, EDGE Technologies GmbH, Berlin
  • Coen van Oostrom, für Della S.  r.l. Luxembourg
  • Norbert Haible, Allianz Real Estate GmbH, Frankfurt a. M.
  • André de la Torre, RFR Management GmbH, Berlin
Stellvertretende Sachpreisrichter/in
  • Matthias Peckskamp, Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, FB Stadtplanung
  • Nanna Sellin-Eysholdt, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, Berlin
  • Andreas Jorsch, EDGE Technologies GmbH, Berlin
  • Lars Fröhlich, Allianz Real Estate GmbH, Stuttgart
  • Sven Leibküchler, Allianz Real Estate GmbH, Berlin
  • Viola Krecker, East Side Mall, Berlin
Sachverständige
  • Max Lohmann, EDGE Technologies GmbH, Berlin
  • Elfriede Müller, Büro für Kunst im öffentlichen Raum, Berlin
  • Martin Schönfeld, Büro für Kunst im öffentlichen Raum, Berlin

Termine

Bewerbungsphase
Anzeige und Eröffnung des Verfahrens / Bewerbungsphase: 10.11.2020
Bewerbungsschluss: 10.12.2020
Benachrichtigung der Teilnehmer: 23.12.2020

1. Wettbewerbsphase
Auslobung 1. Phase: 04.01.2021
Rückfragen nur schriftliche bis: 15.01.2021
Abgabe der Arbeiten: 08.03.2021
Preisgerichtssitzung 1. Phase: 25./26.03.2021

2. Wettbewerbsphase
Auslobung 2. Phase: 02.04.2021
Ortsbesichtigung und Rückfragenkolloquium: tba
Abgabe der Arbeiten: 07.06.2021
Digitale Bürgerbeteiligung / Survey: 11.06. bis 02.07.2021
Vorprüfung der Arbeiten bis: 05.07.2021
Preisgerichtssitzung 2. Phase: 09.07.2021