Hauptpfarrkirche St. Marien, Prenzlau

Anlass/Ziel

Die als Baudenkmal in der Denkmalliste des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums erfasste St. Marien Kirche in Prenzlau gehört zu den bedeutendsten Bauwerken der norddeutschen Backsteingotik des 13./14. Jahrhunderts. Die prächtige östliche Schaufassade wird wegen ihrer anspruchsvollen Konstruktion als „einmalig“ in der Backsteingotik bezeichnet.

Die Kirche wurde von 1289 bis 1340 – unter Einbeziehung des Westteils einer 1235-1250 erstellten Feldsteinbasilika -als 3-schiffige Hallenkirche erbaut und in den folgenden Jahrhunderten sukzessive erweitert und umgestaltet. Letzte Maßnahmen erfolgten 1546 im Bereich Nordturm und 1776 im Bereich Südturm.Von 1844-47 erfolgte sodann eine Umgestaltung des Innenraums in neogotischen Formen. In den letzten Kriegstagen 1945 brannte die Kirche durch Kampfhandlungen vollständig aus, das Gewölbe stürzte ein, wobei die Ansätze erhalten blieben. Ab 1970 wurde sukzessive mit dem Wiederaufbau begonnen, u.a. mit der Erstellung und Eindeckung der Dächer des Kirchenschiffes und der Türme, der Restaurierung der Fassaden, der Einwölbung von Nordvor- und Torhalle und dem Innenausbau der Südkapellen und 1997 der Wiederaufstellung des Altars.

Um den bauzeitlichen Raumeindruck des Kirchenschiffs wieder herzustellen und an die ursprüngliche Nutzung als Gotteshaus anzuknüpfen, sollte der Wiederaufbau nun mit der Rekonstruktion der Einwölbung des Mittel- und der Seitenschiffe sowie der Errichtung einer Empore an alter Stelle und sodann Aufstellung einer Orgel mit entsprechend raumbildender Wirkung vollendet werden. Für die geplante kulturelle Nutzung (u. a. als Konzerthaus) waren dabei auch Maßnahmen zur Reduzierung der Nachhallzeit erforderlich und vorgesehen (u.a. Einsatz schallabsorbierender Steine).

Derzeit wurde die Raumwirkung des etwa 56 m langen, 26 m breiten und 22 m hohen Kircheninneren durch zwei Arkadenreihen mit Scheidbögen und kreuzförmigen Pfeilern sowie den hohen Seitenfenstern in den Seitenschiffen und dem apsidalen Ostabschluss des Kirchenschiffes dominiert. Entsprechend einer Stellungnahme des Landesdenkmalamtes war bisher nicht bekannt, ob es Spuren weiterer Bauphasen vor 1844 gab und wie viel noch vom Ursprungsbau erhalten war. Aus diesen Gründen waren i. R. der geplanten Maßnahmen auch sanierungsvorbereitende Untersuchungen und eine angemessene Dokumentation nach §9 (3) Brandenburgisches Denkmalschutzgesetz (BbgDSchG) unerlässlich. Im Landesdenkmalamt waren einige Glasnegative von 1902 vom Innenraum der Marienkirche mit den Gewölben vorhanden, aus denen der ursprüngliche Verlauf der Gewölberippen rekonstruierbar war. Eine Schwierigkeit bei der Rekonstruktion stellten aber die unterschiedlichen Busungen der Gewölbekappen dar. Der Bauforscher sollte daher unbedingt Kenntnisse über spezifische Gewölbeformen haben.

Verfahren

Folgende Leistungen sollten vergeben werden:

1. Vorbereitende Untersuchungen und Dokumentation nach dem Gesetz über den Schutz und die Pflege der Denkmale im Land Brandenburg (Brandenburgisches Denkmalschutzgesetz – BbgDSchG).

2. Leistungen der Objektplanung gem. HOAI 2013 §34 für die Wiederherstellung der Einwölbung des Mittelschiffs und der Seitenschiffe.

Termine

Veröffentlichung EU-Auftragsbekanntmachung: 10/2015
Bewerbungsfrist: 11/2015
Verhandlungsgespräche: 01/2016